en Jesse Stavro's - Doorway (10/2014)

Der 24jährige Spieler Jordan Hickey reist durch die Zeit, um seinen Freund Jesse Stavro zu finden, der sich seit einem Jahr vor den Behörden versteckt hält.

19. von 42 Plätzen auf der 20. IF-Comp 2014.

Review von proc 22.10.2014

Inhalt/Feelies:Walkthrough
Plattform:Glulx
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» Genres » Science Fiction
» Themen » Zeitreise
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » 20. IF-Comp 2014

Review von proc 22.10.2014     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

Die Story wird in mystischer Weise mit der Grundlage von »our modern scientific understanding of reality« eingeführt, wobei mir schon beim ersten Introsatz nichts Gutes schwant: »The dot is dimension zero and it does not exist.« Das wäre eine Dimension zu tief gegriffen und über den Existenzcharakter des simplen euklidischen Raummodells und dessen Anwendbarkeit in der modernen Physik kann heutzutage nicht einmal mehr gestritten werden. Als erzählerischer Kniff kratzen solche argumentativen Ungenauigkeiten an der Glaubwürdigkeit einer SciFi-Story, was mich schon bei Andromeda Apocalypse mit seinen Plutoniumbatterien oder Galaxienzerfällen in tausendfacher Lichtgeschwindigkeit gestört hat, selbst geringfügige argumentative Ungenauigkeiten wie das physikalisch seltsam anmutende Farbspektrum in Coloratura beeinträchtigen eine solche Stimmung.

Derart verstimmt wird eingangs der durch das halbe Spiel (weiter bin ich nicht gekommen) unmotivierte Quest gebracht, seinen Freund Jesse Stavro finden zu müssen, der sich nunmehr seit einem Jahr vor den Behörden versteckt, die auch mich schon eingeknastet haben wie sich später herausstellt. Der Spieler irrt also vorerst unmotiviert in einer recht gewöhnlichen Wohngegend-Topografie mit dreistöckigem Wohnhaus umher, um meinetwegen seinen Kumpel zu finden. In Wirklichkeit aber, um zu begreifen, was Sache ist. Das gestaltet sich ohne Skizze in einer schwer überschaubaren Topografie von 28 dreidimensional und vielfach schräg angelegten Räumen und einigen zusätzlichen verschlossenen Türen allein in der ersten von mehreren Szenen etwas schwierig. Dann lassen sich noch ein Wohnhaus unerlaubt betreten und fremde Leute darin finden, die einen weder zur Rede stellen noch rausschmeißen, sondern bereitwillig Auskunft über Jesse Stavro geben. Durch Herumprobieren bin ich dann über ein Raumzeitportal in die nächste Szene ins Jahr 1977 zurückgerutscht, in der eine Handvoll neue Charaktere eingeführt werden und wo es lustig so weitergeht. Dort waren zwei Stunden dann irgendwann vorbei und eine nennenswerte Spielmotivation wollte sich immer noch nicht einstellen.

Das Parserspiel ist gut implementiert, wobei einige in den Texten genannte Objekte nicht vorhanden sind oder als nutzloses Beiwerk erscheinen, was den Durchblick zusätzlich erschwert. Als störend empfand ich auch die vielen zusätzlich kursiv eingeblendeten Gedanken etwa für Einsteiger, was sie nun tun könnten oder Subjects bei Personen, worüber man sich nun unterhalten könnte. Abschalten lassen sie sich nicht, ab und zu bringen sie aber nützliche Zusatzinformationen über den Spieler oder über Jesse. Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass die interessantesten Informationen sich gar nicht erspielen lassen, sondern durch solche Hinweise vermittelt werden. Das betrifft auch die langweiligen Konversationen, bei denen eine vorgeschlagene Liste von Themen abgearbeitet werden kann und die manchmal über eine Bildschirmseite hinausgehen und wesentliche Fakten in Textwüsten verstecken. Als Hilfesystem trägt der Spieler ein Journal mit sich, das sich etwa über Portale, Türen oder seltsamerweise auch über im Spiel aufgefundene Zeichnungen konsultieren lässt, was erzählerisch nicht ganz passt. Mir hat das Spiel nicht gefallen, es tendiert in die Richtung eines unmotivierten Cave-crawls durch verschiedene Orte und Zeiten über Portale, die einfach nur da sind, hier und da mystisch-pseudowissenschaftlich begründet werden und erschwerend hier und da auch Einbahnstraßencharakter haben, wovor an verschiedenen Stellen gewarnt wird. Für eine packende Zeitreise oder ein fesselndes SciFi-Abenteuer bietet es erzählerisch zu wenig.

Zuletzt geändert am 22.10.2014 06:48 Uhr.

Jesse Stavro's - Doorway
Cover-Artwork
Jesse Stavro's - Doorway
Glulx