en Eurydice (09/2012)

Textadventure ★★★★★★★☆☆☆   [?]
Publisher:keine

Eine Freundin ist gestorben, der Spieler sucht sie in starker Anlehnung an Orpheus im Jenseits, der  Eurydike in den Hades folgte.

Das Spiel erreichte auf der IF-Comp 2012 den zweiten von 28 Plätzen.

Review von proc 22.10.2012

Plattform:Z-Code
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Review von proc 22.10.2012     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

Das »Spiel« ist mehr für Leseratten gedacht: Die bis zum Ende schleierhafte Spielerfigur, schon erwachsen aber noch nicht alt, lebt offenbar noch mit seinen Geschwistern im Oxforder Elternhaus und stöbert darin herum, wobei sich im anfänglichen Real Life-Teil an den aufgefunden Dingen und an der Konversation mit den nicht weniger als acht Personen im Haus die Geschichte herausschält: Es handelt sich um eine Trauerrunde um seine verstorbene Freundin Celine, die sich offenbar das Leben genommen hat. Dieser erste Teil ist stark erzähllastig und in gewisser Weise linear, so lassen sich nur mit TALK TO Dialogfetzen durchspulen, es gibt einige Kleinigkeiten im Haus zu entdecken, wobei das für die Geschichte insgesamt unbedeutende Highlight, im Garten eine Schnecke zu killen, schon das Äußerste an kreativen Aktionsmöglichkeiten darstellt. Irgendwann habe ich vom Haus genug und gehe nach draußen, wo dann schon der Fährmann ins Jenseits wartet. Der zweite Teil ist dann etwas angenehmer spielbar, weil er einige einfache Rätsel enthält und in gewisser Weise das Gehirn entlastet, das durch die vielen kleinen literarisch gemeinten Textfragmente doch etwas raucht. Am Ende wird Celine immer gefunden, vom Weg zu ihr abhängig aber das Ende antizipiert. Ich habe zwei davon gefunden, die sich nur in den letzten Schritten hin zur Ausgabe des jeweils unterschiedlichen Finaltextes unterscheiden, der dann mit blumigen Begriffen wie »Failure« oder »Fable« umschrieben ist. Es soll sich dabei um freie Interpretationen des Eurydike-Mythos handeln, dessen Elemente in der Geschichte aufscheinen auch wenn Eurydike sich nicht selbst umgebracht hat und Fährmann Charon im Original seinem Fahrgast Orpheus folgt. Ich fand die Geschichte am Ende nicht uninteressant, insgesamt aber unterimplementiert, im ersten Teil zu beliebig und in den (zumindest gefundenen) Enden auch erzählerisch unbefriedigend. Für einen literarisch gemeinten Versuch waren mir dann auch zu viele störende Satzfehler enthalten. Den Hades in ein Krankenhaus zu verlegen ist an sich eine gute Idee, erschien letztlich aber zu brav erzählt. Ein Jenseits in einem expressiveren Setting (wie etwa in Body Bargain) hätte mich mehr überzeugt, das erzählerische Hinplätschern überzeugt weder als mythologische Adaption noch als Darstellung eines menschlichen Dramas. Letzteres ist nur im ersten, ersteres nur im zweiten Teil erkennbar und Celines Tod wird überhaupt nicht erklärt, sondern nur vorausgesetzt. Da ist Eurydikes Geschichte überzeugender, die vergewaltigt wurde und auf der Flucht vor ihren Peinigern versehentlich auf eine giftige Schlange trat.

Fazit: Etwas unterimplementierter Adaptionsversuch eines griechischen Mythos mit dem Überbau einer insgesamt etwas larmoyant wirkenden Trauergeschichte, die aber streckenweise interessant wirkt.

Zuletzt geändert am 22.10.2012 16:58 Uhr.

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