en Return to Camelot (09/2011)

Textadventure ★★★★☆☆☆☆☆☆   [?]
von Finn Rosenløv
Publisher:keine

Postmoderne Neuauflage der Arthussaga: Der Spieler ist Privatdetektiv Joe Gateling, der versehentlich in die Tafelrunde gerät und von Merlin den Job bekommt, Arthus' Gattin Guinevere vor der Entführung zu bewahren. Das Spiel erreichte auf der IF-Comp 2011 den 30. von 38 Plätzen.

Review von proc 04.10.2011

Plattformen:Adrift 4, Online
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Spoiler:
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» Adaption & Inspiration » Literatur » Artusroman
» Spieler-Charaktere » Detektiv
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » 17. IF-Comp 2011

Review von proc 04.10.2011     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

In dieser freien Arthusadaption gerät der Spieler als Privatdetektiv Joe Gateling versehentlich in die Arthussaga und wird von Merlin nur entlassen, wenn er einen Job für ihn erledigt. Dabei wird die Burg Camelot auch mit magischer Hilfe ergründet. Ich gebe zu, im letzten Drittel durchweg in den Walkthrough gespechtet zu haben, das Spiel scheint nur schwerlich in zwei Stunden lösbar zu sein.

Hier beginnen die Spoiler...

Dass ich Fantasy meist nicht mag, liegt nicht am Genre an sich, sondern an der Auffassung vieler Autoren, sich darin in Beliebigkeit schwelgen zu können. Hier ein Ring, dort ein Zauber, das Ganze Versatzstücken der Arthussage eingepflanzt und fertig ist die Geschichte. Return to Camelot ist ein derart nachgekochtes Rezept, das immerhin vielversprechend mit einer Detektivstory beginnt. Eine bildhübsche Lady taucht in meinem Büro auf, weil ihr Meister etwas verloren habe und es auf Leben und Tod wiederhaben müsse, ohne den Auftraggeber zu benennen oder auch nur in Honorarverhandlungen eintreten zu wollen. Die Handlung spielt sich in ermüdenden Schilderungen und Beschreibungen ab, deren weitere Rezeption spätestens nach zehn Minuten einer Schachtel Aspirin bedarf und konsequent bis zum Ende der Geschichte beibehalten wird. Glücklicherweise wird zwischendrin ohne ersichtlichen Grund ein Arthusbild von einem Paketdienst angeliefert, dann verwandelt sich die Lady plötzlich in einen hässlichen Gnom und reißt mich mit ins Bild auf die Burg Camelot. Nach vorübergehender Amnäsie erfahre ich, Opfer eines Versehens zu sein: Merlin hatte seinem Erfüllungsgehilfen etwas von kaputter Kristallkugel („defective“) gesagt und nicht „I need a detective“. Da ich nun schon mal da bin, schließt Merlin mit mir gleich ein Geschäft ab: Ich soll die ganze Arthusgeschichte angesichts seiner Fehlstellen im Kristall für ihn hinbiegen und werde im Gegenzug reichlich belohnt.

All meine konkrete Fragen nach Job und Bezahlung helfen nicht und ich begnüge mich mit der diffusen Belohnung. Erst jetzt beginnt die Geschichte eines wilden cave-crawl durch die Burg Camelot mit Geheimkammern, Bildern, in die eingestiegen werden kann, Zauberpulver, mit dem Rosen zum Zwecke der Bestechung des Küchenmädchens gepflückt werden können, das dann ein Sandwich rausrückt mit dem wiederum hungrige Wachen einen Schlüssel rausrücken etc. pp. – ich erspare mir weitere Details. Immerhin war die Implementierung okay, wenn auch nicht selten Objekte oder Zusammenhänge erraten werden müssen. Das könnte aber auch an den auf Dauer langweiligen Texten liegen, die ich nach dem ersten Drittel nur noch überfliegen wollte.

Dass ich die Geschichte zu Ende gespielt habe, ärgert mich nachbetrachtend. Ich wollte nur zurück in mein Büro und schauen, wie die Belohnung aussieht. Wie sollte es in solch einer Geschichte sein, ich werde der 13. Ritter der Tafelrunde, schlafe nach einer kurzen Party ein und frage mich endlich am heimischen Schreibtisch aufwachend, ob es ein Traum war. Nein, war es nicht, überall hängen Gold und Juwelen und auf dem Tisch liegt ein altes Dokument, das mich als „Son of Camelot“ bezeichnet. Welch Ehre. Ein Spiel nur für Leute, die diese Art von Fantasy mögen.

Zuletzt geändert am 04.10.2011 12:17 Uhr.