en Spiral (09/2012)

Textadventure ★★★★★★★☆☆☆   [?]
von Justin Morgan
Publisher:keine

»Zwei Leute wachen gefesselt und geknebelt in einem Eisenbahnwagen auf, können nicht sprechen, nicht fliehen und nicht sterben. Aber sie können schlafen, denken und sich erinnern.« Ein Psycho-Spiel mit multiplen Perspektiven, bei dem der Spieler zwischen den Personen wechseln kann.

Das Spiel erreichte auf der IF-Comp 2012 den 6. von 28 Plätzen.

Review von proc 16.11.2012

Plattform:Z-Code
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Spoiler:
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» Genres » Surreal » Albtraum
» Schauplätze » Jenseits & Hölle
» Technik » Multiple Perspektiven
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » 18. IF-Comp 2012

Review von proc 16.11.2012     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

Ein interessantes Psycho-Spiel, das wie Escape from Summerland multiple Perspektiven zulässt: Ein Mann und eine Frau, beide Ende 20, sitzen gefesselt und geknebelt in einem Zugabteil und können nichts anderes als schlafen und denken. Ziel des Spiels ist eine Art innere Reinigung, die von allerhand religiöser Esoterik und albtraumartigem Surrealismus begleitet wird. Im Schlaf werden neue Welten begangen, in denen jede Person u.a. ein Rätsel aus sieben Bestandteilen lösen muss um dann ins Finale zu gelangen und die Katharsis abzuschließen. Dabei können die beiden Protagonisten in ihren Träumen kooperieren, indem Objekte ähnlich den »figurativen« Objekten in PataNoir beim Wechsel zur anderen Person in deren Traumwelt mitgebracht werden, sich dort aber an den jeweiligen Traum anpassen.

Es wäre unfair, ein abschließendes Urteil über dieses Spiel abzugeben, weil ich zwei Stunden verzweifelt versucht habe, durch die Geschichte zu steigen. Es gibt zwar viele Hinweise, was als nächstes zu suchen oder zu tun sei, worauf ich mir von der Bedeutung meiner Handlungen her aber meist nicht den geringsten Reim machen konnte. Erst der Walkthrough am Ende gab zumindest etwas Aufschluss: Es handelt sich um zwei Personen, die sich nie zuvor begegnet sind, die eine gescheiterte Biografie nun kontamplativ in dieser surrealen Bondage-Situation rekurrieren, die keine weitere spielerische oder erzählerische Bedeutung besitzt außer des Konstruktionsversuchs einer Verinnerlichung der Spielerfiguren. Das Spiel darf nicht für real genommen werden, und daher funktioniert es bei mir nicht. Ich möchte nochmals betonen, dass es sich dabei um meinen Ersteindruck nach einem Versuch handelt, das Spiel aus sich heraus durchzugehen, der nicht weniger gescheitert ist als jene Biografien. Ich habe es nicht wirklich beenden können und eines von offenbar vier möglichen Enden nur anhand des Walkthroughs durchprobiert.

Fazit: Gut implementiertes Psycho-Spiel mit den beiden erstklassigen technischen Features des Perspektivwechsels zwischen Spielerfiguren und der veränderten Übertragung von Objekten in die jeweils andere Welt, über die kooperiert werden kann. Interessant, kontemplativ, surreal und konstruiert religiös.

Zuletzt geändert am 16.11.2012 11:38 Uhr.

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