en Missive (10/2014)

Multiple Choice-Textadventure ★★★★★★☆☆☆☆   [?]
von Joey Fu
Publisher:keine

Der Spieler hat heute Geburtstag und bekommt von seiner Ex-Freundin ein Geschenk, das einen Mord in der Vergangenheit enthüllt. Eine Romanze mit eingebautem Krimi als Beitrag zur 20. IF-Comp 2014, der den 7. von 42 Plätzen belegte. Die Comp-Autoren wählten den Beitrag auf Platz 3 der Miss Congeniality Awards 2014.

Review von proc 23.10.2014

Plattformen:Twine, Online
Downloadlinks:
Weblinks:

» Genres » Krimi » detektivisch
» Genres » Romanze
» Schauplätze » Zu Hause
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » 20. IF-Comp 2014
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » Miss Congeniality Awards » Miss Congeniality 2014

Review von proc 23.10.2014     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

In diesem Twine-Debütbeitrag geht es um die Doppelgeschichte einer Romanze mit eingebettetem Krimi: Der Spieler hat heute Geburtstag und bekommt von seiner Ex-Freundin, die endlich ihren Schlüssel zurückbringt, eine Schreibmaschine als Geburtstagsgeschenk, die sie offenbar bei Ebay ersteigert und so wie erhalten weitergegeben hat. Darin finden sich daher Briefe und Notizen des früheren Eigentümers, der mittlerweile nicht mehr lebt, wie aus Notizen hervorgeht. Über sieben Tage lässt sich nun in sieben Szenen ergründen, was da vorgefallen sein könnte, und zwar überlagert von Besuchen der Ex- und später erschwerend auch noch der Ex-Ex-Freundin.

Der Krimi liest sich dabei ganz interessant, die Romanze mit Ex-Freundin Emily weniger und kann ohnehin schiefgehen. Mit den gelesenen Briefen können wirre Rätsel gelöst oder vielmehr ausgewürfelt werden, deren kryptische Optionen z.B. nach Lesen eines Briefes lauten: »XO«, »-13« oder »&8«. Meist handelt es sich aber um nichtssagende Zeichnungen auf Briefumschlägen wie »Katze« oder »Leuchtturm«, die zur Auswahl stehen. Je nach Auswahl bekommt man neue Inhalte über die Vorgeschichte des Eigentümers mit, die im Bild eines älteren verheirateten Mannes münden, der sich eine Geliebte hält. Doch auch mit ihr stimmt einiges nicht, am Ende kulminieren die Vorgänge in einem Briefwechsel zwischen der Geliebten und der Ehefrau, die sogar zwischen diesen beiden mögliche Beziehungen (auch verwandtschaftliche) andeuten. Die Spannung wird durch einen Unbekannten gesteigert, der die Schreibmaschine unbedingt zurückhaben will und auch in die Wohnung einzudringen versucht.

Die Geschichte hat beim Mehrfachspielen zweieinhalb Haken: Die Entscheidungen werden nicht durch detektivische Schlüsse gefällt, sondern durch eine Zufallsauswahl aus kryptischen Optionen, Spielerentscheidungen haben daher eher Würfelcharakter. Schwerer wiegt das Ende, wenn es um den möglichen Mörder geht: Alle sind sie richtig und führen mehr oder weniger zum selben Ende, in dem zusätzlich nur gesagt wird, wie viele von sechs Rätseln man gelöst habe. Das macht den entscheidenden Part der Geschichte letztlich beliebig. Nur der Umgang mit Emily ist nicht ganz so zufällig, man kann sie entsprechend den eigenen Entscheidungen am Ende gewinnen oder für immer verbellen, was aber für den Spannungsbogen belanglos bleibt. Ein weiterer halber Haken stört mehr als inhaltlich entscheidend zu sein: Es ist eine hochprozentige Geschichte, in der man sich durch ein komplettes Barregal saufen kann. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, doch selbst bei strikter Vermeidung der Daueroption »Drink« liegen überall in der Wohnung leere Whiskyflaschen herum, so dass die Geschichte den inhaltlichen Zusatzaspekt eines Deliriums erhält. Das macht derart exzessiv erzählerisch einiges kaputt.

Die Geschichte hat mich eingangs wegen ihrer detektivischen Anlage aus dem Briefwechsel eines offenbar ermordeten Unbekannten heraus beeindruckt, zu dem über einen kaufwilligen Anonymus die Brücke zu einer Realität geschlagen wird, aus der erzählerisch sehr viel gemacht werden könnte. Dass er sich telefonisch meldet und den dreifachen Preis für das Paket zu zahlen bereit ist, hat die ganze Geschichte elektrisiert um dann zum Schluss hin bis auf vereinzelte Spannungsmomente zusehends abzuflachen. Beim Mehrfachspielen ist die gleichmacherische Strategie der Enden erkennbar so dass es keinen Spaß mehr macht. Das ist schade, dennoch halte ich die Story für lesenswert, die eine knappe halbe Stunde in Anspruch nimmt.

Zuletzt geändert am 23.10.2014 06:29 Uhr.

Missive
Twine