en Mrs. Wobbles & The Tangerine House (09/2013)

Multiple Choice-Textadventure ★★★★★☆☆☆☆☆   [?]
von Mark Marino
Publisher:keine

Multiple Choice-Geschichte über Mrs. Wobbles und ihre Ziehkinder, die sie in ihrem orangenfarbenen »Mandarinenhaus« pflegt. Die Schicksale der Kinder können in fantasievollen Geschichten ergründet werden. Mehrteilig angelegter Beitrag zur IF-Comp 2013 für die Altersgruppe der 7- bis 11-jährigen, der von den beiden Kindern des Autors mitgestaltet wurde und den zwölften von 35 Plätzen belegte. Dieser Teil trägt die Episodenbezeichnung »Book 1: The Mysterious Floor«. Die Illustrationen stammen von Brian Gallagher.

Review von proc 11.11.2013

Plattformen:Undum, Online
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» Genres » Fantasy
» Genres » Real Life
» Spieler-Charaktere » Kinder & Babys
» Schauplätze » Wohnhaus
» Internationale Wettbewerbe & Projekte » Interactive Fiction Competition » 19. IF-Comp 2013

Review von proc 11.11.2013     ausblenden

Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

Eine Multiple Choice-Geschichte über das orangenfarbene Mandarinenhaus von Mrs. Wobbles, der »großzügigsten und großherzigsten« Pflegemutter für Ziehkinder. Beredt geht es um das Haus und seine Räumlichkeiten, einige nicht miteinander zusammenhängende, aber die Pflegekinder charakterisierende Geschichten werden erzählt, wobei immer tragische Anklänge einer Lebensgeschichte vermittelt werden. Der Autor schrieb den Beitrag nach eigenen Angaben zusammen mit seinen zwei Kindern und wendet sich an das Publikum der 7- bis 11-jährigen. Dafür ist er in seiner ausgezeichneten Sprache und den nicht weniger beeindruckenden Illustrationen von Brian Gallagher gut gemacht, enthält aber einen technischen und ein erzählerischen Makel.

Den technischen Makel werde ich nie kapieren: Die Story ist ausschließlich online zugänglich und lässt sich offenbar nur in einem bestimmten Webbrowser spielen, der nicht genannt wird. Mein K-Meleon ist zweimal gleich am Anfang abgestürzt, einmal bei der verlockenden Auswahl, sich die Geschichte vorlesen zu lassen und ein zweites Mal beim Meiden dieser Option. Okay, dann eben ein aktueller Firefox, mit dem ich einen Zweig der Geschichte bis zum Ende durchspiele (als gebranntes Kind erstmal ohne Vorlesen). Der Schlusssatz legt mir in den Mund, was ich ohnehin will: Möchte ich die Geschichte nochmal spielen, weil es doch sicherlich noch etwas darin zu entdecken gibt? JA, SELBSTVERSTÄNDLICH – und dann geht nichts mehr. Mir wird beim Neudurchgang einfach nur die bereits durchgespielte Geschichte auf den Bildschirm gerotzt. Ich kann das Spiel kein zweites Mal spielen, selbst wenn ich alle Cookies lösche oder den Firefox neu starte. Das ist Murks und sollte verboten werden: JavaScript verwendet offenbar ungefragt ein sicherheitskritisches Datenbank-Objekt und bootet sich damit selber aus. Für jedes Durchspielen einen anderen Browser zu verwenden oder nach besonderen technischen Einstellungen zu suchen ist mir einfach zu blöd, nach drei Versuchen gingen mir die Browser dann aus.

Noch schwerer wiegt der erzählerische Makel: Die Geschichte ist unvollständig und wird als »Book 1: The mysterious floor« verkauft. Book 2 bis 2292 (diese Zahl erscheint bei einer Busfahrt) fehlen, die Episoden verweisen aber auf fehlende Erzählstränge. Sie sind schlicht nicht fertig geschrieben. Erschwerend kommt noch die bei fehlenden Episoden zusammenhangslose Intro dazu, in der sich der Erzähler vorstellt: Es ist ein sehr altes Buch in der Funktion eines Lese-Animators für iPhone-Kinder, das z.B. explizit vorschlägt, alle Poems zu lesen da sie »extra powers and wondrous skills to do the most extraordinary things« ergäben. In der Tat sind RPG-artige Elemente enthalten, die in dieser isolierten Episode aber keinen Sinn ergeben: der Spieler hat die sich im Laufe der Geschichte ändernden Eigenschaften »Poem powers«, »Page points« und »Luck«, der Fortschritt im Spiel wird ebenfalls bewertet. Darauf kann er sich aber keinen Reim machen, im ersten Teil kommen Poems gar nicht vor (soweit ich das bei den technischen Schwierigkeiten beurteilen kann) und der Fortschritt bleibt mangels Fortsetzungen immer auf »Novice« stehen. Es ist inhaltlich ein Spiel für die IntroComp und mir ist nicht ganz klar, warum Autoren wie auch schon bei The Challenge sich genötigt fühlen, unfertige Fragmente in die IF-Comp werfen zu müssen. Das raubt den Spielern nur Zeit und vertreibt die Lust, das später eventuell mal fertig präsentierte Spiel anzugehen. Nach bisherigen Erfahrungen ist in solchen Fällen zu vermuten, dass die Puste ausgegangen ist und möglicherweise niemals ein fertiges Spiel draus wird, dann grenzen solche Spiele an Sadismus. Dagegen ist ein weiterer erzählerischer Minuspunkt schon marginal: Diese Geschichte passt besser in ein Buch, mir ist an keiner Stelle aufgefallen, welchen Sinn die Choices haben könnten. Man geht sie ohnehin über einen »Next Choice«-Punkt alle durch oder hat eben nur einen »Weiterlesen«-Link. Undum ist, zumindest für diesen unfertigen Beitrag, die falsche Wahl des Mediums. Dennoch bleibt das Spiel empfehlenswert, sofern man gute Prosa für Kinder sucht und ein unfertiges Spiel nicht scheut.

Zuletzt geändert am 11.11.2013 09:51 Uhr.

Mrs. Wobbles & The Tangerine House
Cover-Artwork
Mrs. Wobbles & The Tangerine House
Undum