en Raik (10/2014)

Multiple Choice-Textadventure ★★★★★★☆☆☆☆   [?]
von Harry Giles
Publisher:keine

Ein Spiel über Angst und Panik, das sich zweigleisig in englischer Sprache als Oldschool-Fantasystück im Stil keltischer Mythologie und schottischsprachig in entsprechenden Real Life-Situationen und inneren Zuständen äußert. Literarischer Beitrag zur 20. IF-Comp 2014, der den 15. von 42 Plätzen belegte.

Review von proc 27.10.2014

Inhalt/Feelies:Walkthrough
Plattformen:Twine, Online
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Dieser Beitrag enthält Spoiler, die den Spielspaß verderben. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte nicht weiterlesen.

Der Begriff »Raik« bezeichnet im Schottischen eine Wanderung, dessen  Wortherkunft vom Urgermanischen her im figürlichen Sinn die Spuren grasender Schafe über eine Weide enthält. Meint also mehr ein zielloses Gestreune. Der Autor, ein schottischer Schriftsteller und Performance-Künstler aus der nördlichsten Inselgruppe Schottlands und Co-Autor des Philosophenstücks The Chinese Room (2007), weidet in dieser so interessanten wie ungreifbaren Geschichte im psychologischen Innenleben von Angst und Panik, das mit Aktivitäten innerhalb eines Fantasyplots korreliert wird. Als beeindruckendes formales Feature werden dabei zwei parallele Geschichten erzählt, die aufeinander bezogen sind und zwischen denen sich am Ende einer jeweils kurzen Szene umschalten lässt: Ein englischsprachiger Strang erzählt ein Fantasy-Stück über die Suche nach einem rettenden Artefakt in einer Höhle, während ein für mich bis auf Soundfetzen unverständlicher schottischsprachiger Strang auf eine Real Life-Situation und deren psychologische Gegebenheiten eingeht. So komme ich beispielsweise eingangs zum lang ersehnten Ziel des Eingangs einer Höhle mit Wasserfall, »a cavern singing with light and water«, während ich im entsprechenden schottische Teil zuhause unter die Dusche gehe und ans Schlafen denke, aus einem nicht weiter verstandenen Angstzustand heraus dann aber doch die Küche bevorzuge: »ye taw yersel intae the kitchen.« Der schottische Teil der Geschichte scheint mir dabei der Kern dieser Erzählung zu sein, der mir sprachlich jedoch verschlossen bleibt und ich glaube auch nicht, dass Amerikaner sehr viel davon verstehen können. Engländer möglicherweise schon, das Schottisch-Gälische scheint dem Altenglischen recht nahe zu stehen. Ich habe jedenfalls nach einiger Zeit aufgegeben, wenigstens aus dem Klang heraus etwas vom Inhalt zu verstehen und konnte nur mitbekommen, dass der englische old school Fantasy-Part (mit vielen unerwarteten Toden) ohne Verständnis des schottischen Parts eine völlig andere Geschichte vermittelt und dennoch für sich stehen kann, ohne dann aber weitere Bedeutung zu vermitteln. »No rating« daher mangels Sprachverständnis. Wer des Schottischen ansatzweise mächtig ist, dürfte eine intensive Story über eine allgegenwärtige menschliche Befindlichkeit erfahren. Und zwar in einem ausgezeichneten Englisch und vermutlich auch Schottisch.

Zuletzt geändert am 27.10.2014 11:57 Uhr.

Raik
Cover-Artwork
Raik
Twine