Kunstraub in der Kathedrale

> Review zu Die Gerechten Richter

von Joana Markus

In Die Gerechten Richter versetzt der Autor Werner Rumpeltesz den Spieler in ein Szenarium, das Teil belgischer Geschichte ist. Dort wurde 1934 aus der Genter St. Bavo-Kathedrale nämlich eine wertvolle Bildtafel gestohlen, die bis heute als verschollen gilt. Der komplette geschichtliche Zusammenhang ist in Wikipedia unter dem Stichwort »Genter Altar« nachzulesen. Das muss man allerdings nicht tun, denn alle für die Lösung der Rätsel notwendigen Hinweise erhält man über Briefe, Akten und Inschriften während des Spieleverlaufs. Die Spielwelt ist auf die Kathedrale begrenzt und hält für jemanden, dem der Aufbau von Kirchen in etwa geläufig ist, keine Überraschungen bereit. Hauptschiff, Altar, Chor, Krypta, Sakristei – viel mehr gibt es nicht zu entdecken. Stattdessen gilt es, einige kleine Rätsel zu lösen. Nach und nach sammeln sich Hilfsmittel im Inventar, mit denen sich bestimmte Objekte im Gebäude manipulieren lassen, was weitere Hinweise zur Folge hat. Nach ihrer Entdeckung werden diese praktischer Weise automatisch in ein Notizbuch aufgenommen. Manchmal muss man ganz genau hinschauen oder fühlen, damit sich einem durch einen zweiten oder gar dritten Schritt weitere Informationen erschließen. Den Hinweisen zu folgen, fällt dann relativ leicht und nach kurzer Spielzeit hält man das Gesuchte, das Bild »Die gerechten Richter«, in Händen. Außer dem Erfolg, alle gestellten Rätsel gelöst zu haben, bleibt einem nach Ende des Spiels das Gefühl, einer Geschichte gefolgt zu sein, der es ein wenig an Spannung und Atmosphäre fehlt. Dabei hätte der Autor gar nicht unbedingt die Spielwelt erweitern oder weitere Rätsel einbauen müssen. Aber erzählerisch hätte man aus dem gut gewählten Szenarium mehr herauskitzeln können. Was nicht heißen soll, dass die Texte des Spiels schlecht wären. Nur beschränken sie sich meistens auf nüchterne Beschreibungen der Umgebung und der Objekte. Technisch ist Die Gerechten Richter – zumal für ein Autorendebüt – solide gemacht. Alle wichtigen Befehle wurden berücksichtigt und der ungeübte Spieler wird zusätzlich mit einem umfangreichen Hilfemenü unterstützt.

Fazit: Ein interessantes Debüt, das an die Spiele der 80er Jahre erinnert. Ich bin gespannt auf das nächste Textadventure von Werner Rumpeltesz!

Erschienen in The Parser Jg. 1 (2010), N° 2, November 2010, S. 15.

The Parser N° 2

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